
Das Wasserspringen als Spiel - wie auch als Zweckform - ist alt. Schon Homer berichtet in der Ilias von Sprüngen der Austernfischer ins Wasser. Ein etruskisches Wandbild aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. zeigt einen famosen Kopfsprung eines Knaben. Die Normannen übten das Springen von den Schiffen ins Wasser. Alte Berichte des 16. Jahrhunderts rühmen das Springen der Zürcher Knaben.
Als das Baden verboten wurde, kam auch das Springen ausser Mode. Doch schon Ende des 18. Jahrhunderts berichtet Oronzio de Bernardi aus Neapel in seinem Schwimmlehrbuch erneut eingehend über das Springen (Kupfertafeln!). Und mit der Verbreitung des Schwimmens als Freizeitbetätigung kam auch das Springen wieder stark auf. Allerdings ist das moderne Springen vorwiegend eine Zweckübung: Der sportliche Springer will schön springen (vom 1- und 3-Meterbrett) oder kühn sein (vom 5- und 10-Meter-Turm). Auf alle Fälle erfordert das sportliche Springen von heute viel Training und damit Willen und Selbstbeherrschung. Vielleicht ist es gerade deshalb so schwer, in dieser Disziplin guten Nachwuchs zu erhalten, weil der Erfolg in andern Sparten schneller blüht.
Wie erwähnt, wird das moderne Wasserspringen in zwei Klassen eingeteilt: In das Kunst- und in das Turmspringen. Das erstere wird vornehmlich vom drei Meter über dem Wasserspiegel liegenden Federbrett ausgeführt, letzteres von einer festen Plattform, deren Höhe über dem Wasserspiegel fünf oder zehn Meter beträgt. Das Springen aus zehn Meter Höhe verlangt schon sicheres Können, wenn man bedenkt, dass der Körper mit einer Stundengeschwindigkeit von 50 km auf die Wasseroberfläche trifft.
Ehe wir nun auf die Bewertung der Sprünge eintreten, die bei den neuzeitlichen Sprungkonkurrenzen zur Anwendung gelangen, sei noch eine Darstellung über die verschiedenen Ansichten veröffentlicht, welche das Kunst- und Turmspringen entscheidend bestimmt haben.
Die älteste Schule auf dem Gebiete des Kunstspringens stammt aus Deutschland (Halle a. S.). Die dortigen Salinenarbeiter, Halloren genannt, ,erwähnen als bekanntesten Springer einen gewissen Tichy, weshalb die Springer sich auch "Tichy'sche Frösche " nannten. Später machte sich mehr und mehr der Einfluss der Turner bemerkbar, so dass in der Bewertung das exakte, rassige, fast militärische Moment in den Vordergrund trat. Durch den Einfluss der modernen olympischen Spiele trat infolge der Beteiligung der Amerikaner mehr das athletische Moment in den Vordergrund.
Beim Turmspringen erkennen wir den starken nordischen Einfluss. Das Springen von den Felsen in die Fjorde ging von andern Voraussetzungen aus als das deutsche Kunstspringen vom Federbrett. Dort galt es, weit weg vom Felsen zu kommen, um Verletzungen zu verhüten und einzutauchen, um wiederum allfälligen Gefahren des harten Aufschlages auf das Wasser zu entgehen.
Heute gilt nun der Sprung für die eine wie für die andere Art (Kunst- oder Turmspringen) als normalisiert. Vier Punkte sind es, die berücksichtigt
werden müssen, wenn der Springer vor dem Schiedsrichter bestehen will:
1. Anlauf und Haltung
2. Absprung
3. Flug
4. Eintauchen
Forderte einst die deutsche Schule beim Kunstspringen nach den drei Anlaufschritten ein Armkreisen vorwärts hoch mit dem letzten Schritt, so hat sich die amerikanische Schule, ihrer athletischen Forderung entsprechend, auf einen hohen Aufsprung versteift, der dem Körper die Federung des Brettes ganz mitgibt, zumal ein Absprung mit beiden Beinen erfolgen muss. Der Körper des Springers schwebt nun der maximalen Höhe zu, wo die "Figur gelegt" wird. Dann folgt das Eintauchen aus der Senkrechten und ist daher auch leichter zu gestalten als beim älteren "Bogensprung". Je nach Art des vorgeschriebenen Sprunges sind die Arme seitwärts des Kopfes (Kopfsprünge) oder längs des Körpers (für auswärts endende Sprünge) gelegt.
Im Kunstspringen unterscheidet man fünf Gruppen von Sprüngen, und zwar:
1. Sprünge vorwärts
2. Sprünge rückwärts
3. Auerbachsprünge (Sprünge rückwärts aus dem Stand vorlings oder mit Anlauf)
4. Sprünge vorwärts rücklings gegen das Brett
5. Drehungen um die Längsachse (Schrauben und Bohrer).
Im Turmspringen sind die Gruppen 1-4 die gleichen. Die Gruppe 5 umfasst Sprünge aus dem Handstand. Die grundlegenden Ausführungsarten eines Sprunges sind:
a) gestreckt
b) gehechtet
c) gehockt
Was nun die Bewertung dieser Sprünge betrifft, so erfolgt diese durch sieben Sprungrichter. Jeder bewertet den ganzen Sprung. Von den angegebenen Wertungen werden die höchste und die niedrigste gestrichen und die verbleibenden fünf Wertungen zusammengezählt. Dann wird die Summe der Wertungen, d.h. der verbleibenden Sprungrichter bzw. Wertungen, durch fünf geteilt und die sich daraus ergebende Ziffer mit dem Schwierigkeitsgrad (1 bis 2,5) multipliziert. Dies ergibt das endgültige Wertungsresultat. Ein missglückter Sprung zählt 0 Punkte, ein ungenügend ausgeführter 1-2, ein fehlerhaft ausgeführter 3-4, ein zufriedenstellender 5-6, ein guter 7-8 und ein sehr guter 9-10 Punkte.
Quelle: Von Dr. E. A. Gessler, Ausschnitt aus dem Buch "Stadion Schweiz – Turnen, Sport und Spiel" erschienen 1945 im Verlag M.S. Metz in Zürich
![]()
SSCHV - FSN - FSN
Schweizerischer Schwimmverband
Fédération Suisse de Natation
Federatione Svizzera di Nuoto
Aus- und Weiterbildung für Leiter/innen und TrainerInnen in den Sportarten Schwimmen, Synchronschwimmen, Wasserball und Wasserspringen im Breiten- und Leistungssport.
Schweizerischer Schwimmverband
Sekretariat
Tiergarten 3
CH-3401 Burgdorf
Telefon |
034 420 0 420 |
Fax |
034 420 0 421 |
|
|