
Diese wird durch die verschiedenen Lagen des menschlichen Körpers im Wasser bestimmt. Die üblichste ist die Brustlage, obwohl sie eigentlich hinsichtlich des leichteren Atmens von der Rückenlage übertroffen wird. Dafür hat die letztere den Nachteil, dass sie dem Schwimmer weniger Uebersicht bietet über die Strecke, die vor ihm liegt. Die Brustlage wird technisch im ewegungsablauf in den Brustgleichschlag und in den Crawl geteilt. Crawl wird auch - im Gegensatz zum Gleichschlag - als Wechselschlag bezeichnet. Dieser Begriff bezieht sich sowohl auf die Arm- wie auf die Beinarbeit. Beim Brustgleichschlag werden die Arme gleichzeitig im Wasser nach vorne geführt, breiten sich hierauf aus und ziehen, als Vorwärtsbewegung für den Körper, nach hinten, indem sie sich mit den Handflächen gleichsam rückwärts abstossen. Die Beine dagegen werden, ebenfalls gleichzeitig, angezogen, worauf Bedacht genommen werden muss, dass die Oberschenkel nicht zu weit gespreizt werden, weil sie sonst eine Hemmbewegung erzeugen. Hierauf werden die Unterschenkel nach aussen geworfen, und nun folgt die Schliessung der gestreckten Beine, die als ganze Hebel wirken. Je länger die Schenkel des Schwimmers sind, desto länger der «Zug», wie der schwimmtechnische Ausdruck für das Vorwärtskommen auf einen Beinschlag lautet; dazu kommt noch, ,wie wir aus dem Kapitel über das statische Schwimmen ersehen haben, das Verwerten des Auftriebes. Je flacher der Schwimmer im Augenblick des Zusammenschliessens der Beine (auch «Kick» genannt) auf dem Wasser liegt, desto besser und weiter gleitet er nach vorne. Um diese Lage zu begünstigen, wird im Moment des « Kicks» der Kopf ins Wasser gelegt.
Hinsichtlich der Armführung beim Brustgleichschlag ist zu erwähnen, dass auch diese auf zwei Arten ausgeführt werden kann: erstens im Horizontalzug und zweitens im Vertikalzug. Der erstere bringt im Moment des grössten Druckes auf das Wasser Ober- und Unterarm fast in einer Geraden seitwärts nach hinten. Infolge des langen Hebels erfordert diese Ausführung viel Kraft und ist deshalb durch den Vertikalzug abgelöst worden, der den kürzeren Krafthebel schafft. Hier wird im Moment des grössten Druckes der Unterarm im Ellbogen abgewinkelt, so dass die Oberarme horizontal zur Wasseroberfläche zu liegen kommen, während die Unterarme ihre Arbeit nun vertikal zu jener ausführen.
Die gleiche Armführung stellen wir auch beim CrawIschwimmen in Brustlage fest. Nur dass hier die Arme abwechslungsweise durch das Wasser geführt werden. Crawl (sprich «Crol») stammt aus dem englischen Sprachschatz und bedeutet soviel wie «kriechen, schleichen». Vielfach wurde deshalb auch das hässliche Wort «Kriechstoss» gebraucht. Beim Crawl treibt der eine Arm den Körper im Wasser nach vorne, indem der Arm mit der Handfläche nach hinten drückt. Das Schwierige in der Ausführung liegt in der Tatsache, dass der die Arbeit im Wasser vollführende Arm eine Kraftübung vollbringt, während der andere Arm, der in der gleichen Zeit über das Wasser nach vorne gebracht wird, vollkommen locker bleiben muss, um sich von der Unterwasserarbeit auszuruhen. Die vollkommene Armarbeit führt uns zu einem asymmetrischen Rhythmus, indem der lockere Uberwasserarm raschmöglichst ins Wasser taucht, um den Gewichtsverlust auszugleichen, den er dem Körper dadurch zufügt, dass er aus dem Wasser genommen wird, um zur neuen Arbeit nach vorne geführt zu werden.
Die Beinarbeit beim Crawl wird, wie diejenige der Arme, wechselseitig ausgeführt, und zwar betont von oben nach unten (besserer Auftrieb!). Dazu kommt, dass der Schlag des Fusses auf das Wasser einen schnellen Weg erlaubt, weil die Bewegung in der Luft weniger Widerstand erfährt als diejenige im Wasser.
Zunächst wurde denn auch von den ersten hervorragenden Crawlschwimmern der Neuzeit (z.B. Cecil Healy aus Australien) der Schlag auf das Wasser so stark betont, dass er allein vom Unterschenkel ausgeführt wurde. Dies trug ihm dann später auch die Bezeichnung «australischer» Crawl ein. Im Bestreben, die Schnelligkeit zu steigern, wurde die betonte und daher im Rhythmus langsame Beinbewegung «abgeflacht». Die Wettkämpfer gingen dazu über, das Bein nicht mehr stark aus dem Wasser herauszunehmen. Die Erkenntnis, dass dadurch der Auftrieb verbessert werde, mag auch dazu beigetragen haben. Dafür wurde das Tempo der Ausführung erhöht. Statt auf je einen Armzug nur eine Beinbewegung folgen zu lassen, ging man pro Armbewegung auf zwei, dann auf drei und vier, ja sogar bisweilen bis sechs Beintempi, worauf sich dann die Erkenntnis durchsetzte, dass dieses Forcieren der Beintempi die Kräfte zu stark verbrauche. Immerhin ist man bis heute beim Dreier- oder Viererschlag für kurze Strecken geblieben, verwendet den Zweierschlag aber auf der mittleren oder langen Strecke. Da die erhöhte Beinschlagzahl zuerst von den Amerikanern eingeführt wurde, so nennt der Schwimmer ihn auch «amerikanischen» Crawl.
Und nun noch die dritte Art des Schwimmens in Brustlage, den Butterfly oder das Schmetterlingsschwimmen. Ausgehend vom Gedanken, dass beim Brustgleichschlagschwimmen das Nachvornebringen der Arme unter Wasser eine Hemmbewegung darstelle, ging man dazu über, die Arme, ähnlich wie beim Crawlschwimmen, gleichzeitig in der Luft nach vorne zu werfen. Diese Bewegung gleicht tatsächlich dem plumpen Flügelschlag eines Schmetterlings (butterfly), weshalb diese Schwimmart auch so bezeichnet wurde. Wohl kommt nun beim Butterfly der Umstand hinzu, dass der Trieb durch den gleichzeitigen Einsatz beider Arme verstärkt wird, doch erleidet der Körper andererseits einen grossen Auftriebsverlust, wenn beide Arme gleichzeitig aus dem Wasser genommen werden. Um dieses Manko auszugleichen, muss der Beinschlag in dem Moment erfolgen, in dem die Arme das Wasser verlassen. Da infolge der andauernden Gefahr eines Auftriebsverlustes die Zeitfolge zwischen Arm- und Beinarbeit sehr rasch bleiben muss und zudem die Armarbeit sehr anstrengt, blieb der Butterfly eine Schwimmart der kurzen Strecke mit ausgezeichneten Werten für eine ausgiebige Oberkörpergymnastik mit Widerstand.
Beim Rückengleichschlag werden die Arme, wie auch die Beine, gleichzeitig bewegt. Während des Beinschlages erfolgt das Herausnehmen der Arme aus dem Wasser. Dieses soll schnell geschehen, damit der Auftriebsverlust rasch ausgeglichen werden kann. Liegen die Arme gestreckt neben dem Kopf im Wasser, so beginnt ihre Arbeit, nachdem dem Körper Zeit gelassen worden ist, die Fahrt auszunützen, die er durch den Beinkick erhalten hat. Beim Anziehen der Beine ist darauf Bedacht zu nehmen, dass dies nicht zu rasch, sondern langsam erfolgt, um durch die breite Fläche, welche die Oberschenkel darstellen, keine heftige Gegen- und damit eine die Fahrt hemmende Bewegung zu erzeugen. Die Führung der Arme soll kreisrund sein, die Handflächen nicht zu tief im Wasser, wie auch die Ruderer ihr «Blatt» nicht zu tief führen, um es rasch wieder frei zu bekommen. Ein zu tiefer Armzug bedeutet auch unnütze Kraftverschwendung.Als eigenartig wäre noch festzuhalten, dass der Bewegungsablauf des Rückengleichschlages nicht früher, als es tatsächlich der Fall war, die Schwimmer auf den Gedanken des «Schmetterlingsschwimmens» gebracht hat.
Beim Rückencraul (oder ganz englisch: «Back-Crawl») ändert sich der Bewegungsrhythmus insofern, als die Arme und Beine, wieder wie beim Brusterawl, wechselweise arbeiten. Die Armführung ändert sich im eigentlichen ewegungsablauf nicht, dagegen unterscheiden wir bei der Beinarbeit zwei Arten: zunächst wieder die Hebelarbeit und dann den «Sohlenkick». Letzterer ist das, was wir im Volksmund als «strampeln» bezeichnen. Da jedoch hier nur die nach rückwärts tretenden Fusssohlen a, Triebfläche verwendet werden können, bleibt die Antriebskraft zurück im Vergleich zu derjenigen der langhebligen Arbeit der gesamten Beinlängen beim Back-Crawl. Dazu kommt noch die grosse Flächenwirkung des Ristes.
Die Abarten des Freistilschwimmens seien nur kurz erwähnt. Aus dem leichschlagschwimmen in Brustlage wurde der «Matrosenschwumm» entwickelt, indem die Arme wechselseitig über dem Wasser nach vorne gebracht wurden, der Beinkick jedoch beibehalten wurde. Dann kam die «Seitenlage» auf, weil man herausgefunden hatte, dass damit der Beinschlag seitwärts noch mehr «geöffnet» werden konnte und damit der Trieb stärker wurde. Weil dabei die Arme ebenfalls über dem Wasser nach vorne geführt wurden, nannten die Engländer diese Art des Schwimmens «over», was «den Arm über dem Wasser führen», bedeutet.
Wer sich für die verschiedenen Abarten des Rückenschwimmens interessiert, sei auf das Buch verwiesen: «Entwicklung der neuzeitlichen Schwimmtechnik 1896-1936», Verlag Jean Frey, Zürich.
Quelle: Von Fred Jent, langjähriger Präsident des SSCHV, Ausschnitt aus dem Buch "Stadion Schweiz –Turnen, Sport und Spiel" erschienen 1945 im Verlag M.S. Metz in Zürich