
Die erste Rettungsgesellschaft wurde 1769 in Amsterdam gegründet. 1772 folgte eine in Kopenhagen und 1774 eine weitere in London; die bekannte englische königliche Lebensrettungsgesellschaft jedoch entstand erst 1864. In der Schweiz beschäftigte sich der Schwimmverband mit dem Rettungswesen, bis 1933 die offizielle Abtretung an die Schweizerische Lebensrettungsgesellschaft erfolgte.
Als wichtigste Schwimmarten für das Rettungsschwimmen gelten das Rücken- und das Brustgleichschlag schwimmen, weil damit der Retter für sich selbst und damit auch für den Ertrinkenden den grössten Auftrieb sichert; ausserdem bietet diese Schwimmart die besten Atmungsmöglichkeiten. Dabei kommt dem Tauchen grosse Bedeutung zu. Denn, wenn ein in Not geratener Mensch « geholt » werden soll, so gilt es für den Retter - sofern der zu Rettende noch bei Bewusstsein ist - besonders vorsichtig zu sein, weil bekanntlich Menschen in Todesangst über doppelte Kräfte verfügen. In solchen Fällen ist es gut, wenn der Retter taucht, den Ertrinkenden von hinten «angreift» und auf diese Art überraschend schnell seinen «Rettungsgriff» anbringen kann. Wenn aber ein Ertrinkender das Bewusstsein zu verlieren beginnt, zeitweise von der Wasseroberfläche verschwindet oder gar schon an einer Stelle gesunken ist, so muss der Retter erst recht über grosses taucherisches Können verfügen, wenn er erfolgreich sein will.
Sehr wichtig ist auch das Rettungsschwimmen in den Kleidern, ja sogar in den Schuhen, wenn auch die Praxis gezeigt hat, dass Schuhe und Rock wenn immer möglich ausgezogen werden sollen, besonders wenn es sich beim in Wassernot geratenen Menschen um einen Erwachsenen handelt. Aus der Praxis haben sich eine Reihe von Rettungs- und Befreiungsgriffen herausgebildet, die zu kennen ebenfalls wichtig ist, die aber wegen Raummangel hier nicht aufgeführt werden können. Als eine wichtige Verhaltungsregel für einen Retter sei diejenige genannt, die bei Ertrinkenden in fliessenden Gewässern anzuwenden ist. Vielfach kommt es noch vor, dass ein Retter sich entkleidet, wobei der Ertrinkende von der Strömung mitgerissen wird. Bis der Retter ihm nachgeschwommen ist, hat er Kraft und Zeit vergeudet, die bei der eigentlichen Rettungsaktion fehlen werden. Klüger ist es, am Ufer entlang laufend, sich der Kleider usw. zu entledigen und damit so nahe wie möglich bei dem zu Rettenden zu sein, wenn der Sprung oder Einstieg ins Wasser erfolgt. Die Schweizerische Lebensrettungsgesellschaft führt alljährlich Kurse durch; anschliessend an diese werden jeweilen Prüfungen vorgenommen: eine leichtere und eine schwere. Für diese Prüfungen sind eine Reihe von Bedingungen aufgestellt worden. Dazu kommen Minimalforderungen in bezug auf Kenntnisse auf dem Gebiet der verschiedenen Wiederbelebungssysteme (Silvester, Howard und Schäfer).
Quelle: Von Fred Jent, langjähriger Präsident des SSCHV, Ausschnitt aus dem Buch "Stadion Schweiz –Turnen, Sport und Spiel" erschienen 1945 im Verlag M.S. Metz in Zürich