
Das Weinbauernhaus
Bereits auf der 1676 geschaffenen Kantonskarte Hans Konrad Gygers sind zusammenhängende Rebgebiete über den ganzen Hang von Uerikon bis vor die Tore der Stadt Zürich eingezeichnet. auch am linken Ufer streckte sich der Weinbau von Wollerau bis in die Enge. Im 18. und 19. Jahrhundert, zur Blütezeit des Weinbaus und der Hausindustrie am Zürichsee, entstanden die heute noch zahlreichen schmucken Fachwerkbauten, bei uns als Rieglhäuser bekannt, die früheren ganz in Holz erstellten Block- und Ständerbauten ablösten. Das eigentliche Zürichseehaus ist daher das Weinbauernhaus. Charakteristische Beispiele sind unter Anderem die "Burg" in Meilen, das "Menzi-Haus" in Lützelsee, das "Agentenhaus" in Horgen und die beiden "Höfe im Letten" und "Zur langen Stege" in Wädenswil sowie das Wädenswiler Ortsmuseum "Zur Hohlen Eich".
Für den Weinbauern wurde der Keller zum wichtigsten Teil des Hauses, der halb unter, halb über, dem Boden lag und mit dicken Mauern von Moränenblocken den Wohnstock in die Höhe rückte. Eine steinerne Freitreppe führt zum Wohnteil, der im Riegelwerk erstellt wurde. Das Treppenpodest, der Hauseingang und die darüber liegende Dachlukarne (die Guggeere) bilden die markante Symmetrieachse an der Längsseite. Im reizvollen Gegensatz dazu reihen sich im Wohngeschoss die gekoppelten Fensterreihen mit den dazugehörigen, oberhalb der Fenster angebrachten Fallläden. Die Barocke Tradition an der Wende des 17. Jahrhundert. und der Repräsentationswille der wohlhabenden Weinbauern (der Ertrag beim Weinbau war auf gleicher Bodenfläche, 5 Mal so gross wie derjenige im Ackerbau) führte zu grosszügigen Dimensionen. Zugleich aber wurde die liebevolle Gestaltung der Details gepflegt: Reich bemalte Fensterläden und Dachuntersichten, gesägte Rahmen und geschnitzte Balkenköpfe, kunstvolle Schmiedeiserne Geländer und Türbeschläge. Der First des Zürichseehauses verlief normalerweise in der Richtung des Hanggefälles. Quergerichtete Häuser wurden als "Hindersi-für-Häuser" verspottet, wie zum Beispiel der Goldbacherhof in Kuesnacht.![]()
Landsitze
Schon vor Jahrhunderten haben reiche Stadtbürger Güter auf dem Land erworben. Nicht anders als heute, wo die beiden Seeufer als Wohngebiete begehrt sind, liessen die Stadtherren vor allem am Seeufer liegende Weinbauernhäuser in stolze Landsitze ausbauen. Der Mentalität der Zürcher entsprechend blieb dabei aber oft die reiche Innenausstattung, wie prunkvolle Stuckdecken, kostbare Täfer und prachtvolle Kachelöfen, hinter schlicht gebliebenen Fassaden versteckt. Schöne Beispiele dafür sind der "Traubenberg" in Zollikon, der "Seehof" in Kuesnacht, die "Schipf" in Herrliberg oder das Landgut "Bocken" in Horgen. Vorerst bewohnten die Patrizier nur kurze Zeit, etwa zur Weinlese, ihre Landhäuser. Als sie es aber im 17./ 18. Jahrhundert. zur gesellschaftlichen Mode wurde, die Sommer- und Herbstmonate im eigenen Landhaus, weitab von der Enge der Stadt, am See zu verbringen, wurden die Landsitze zunehmend herrschaftlicher und mit modernstem Wohnkomfort der Zeit ausgerüstet.
Es wurden auch Neubauten, zum Teil sogar schlossähnliche, in barockem- oder fabulierfreudigem Rokokostil erstellt. Reiche Interieurs, Wohn- und Gästezimmer und oft ein besonderer Festsaal für gesellschaftliche Anlässe, zeugen von städtischer, ja aristokratischer Wohnkultur. Zwei Musterbeispiele sind der "Seehof" und die "Seehalde" (1767/ 68) in Meilen. Da die Bewohner dieser Herrschaftshäuser am See dem geistigen Leben offenes Interesse entgegenbrachten, wurde der eine und andere Sitz im 19. Jahrhundert zu einer Stätte, wo die namhaftesten Literaten, Künstler und Wissenschaftler als Gäste Aus- und Ein gingen.